Kontroverse um Villinger Sportplätze: Gutachten abwarten oder gleich erneuern

Gemeinderat beschäftigt sich mit Sportanlagen am Hoptbühl und im Goldenbühl. Breuning und von Mirbach machen Druck. Gemeinderat vertagt Entscheidung ins Frühjahr

Der Sportplatz des Hoptbühlgymnasiums ist seit Monaten aus Sicherheitsgründen für die Schüler gesperrt. Unklar bleibt, bis wann er saniert wird. Bild: Jochen Hahne

Der Sportplatz des Hoptbühlgymnasiums ist seit Monaten aus Sicherheitsgründen für die Schüler gesperrt. Unklar bleibt, bis wann er saniert wird. Bild: Jochen Hahne

Die weitere Nutzung der beiden völlig maroden Sportplätze am Hoptbühl-Gymnasium und der Sportanlage im Goldenbühl an der Berliner Straße sorgte am Mittwoch für eine längere kontroverse Debatte im Gemeinderat. Eine Entscheidung wurde auf Vermittlung von Oberbürgermeister Rupert Kubon erst einmal aufs Frühjahr vertagt.

  • Die Grundsatzfrage: Knackpunkt der Auseinandersetzung war die Frage, ob der Gemeinderat hier sofort eine Entscheidung für eine schnelle Sanierung treffen soll. Oder aber, so wie es der Wunsch des städtischen Sportbeirates und des Sportverbandes Villingen-Schwenningen ist, ersteinmal den objektiven Gesamtbedarf an Sportplätzen in Villingen durch ein Gutachten prüfen lassen. Der Sportbeirat empfahl, das Institut für Kooperative Planung und Sportentwicklung (IKPS), das bereits in Schwenningen eine solche Untersuchung durchführt, mit einem Gutachten aller Sportplätze in Villingen zu beauftragen.
  • Stadt in der Pflicht: Dieser Vorschlag stieß im Gemeinderat auf zum Teil geharnischte Kritik. CDU-Sprecherin Renate Breuning sagte, für die Notwendigkeit, den Schulsportplatz am Hoptbühl-Gymnasium zu sanieren, bedürfe es keines Gutachtens. Der Platz sei aus Sicherheitsgründen gesperrt worden. Anstatt ein weiteres Gutachten zu beauftragen sollte man das Geld nehmen und die Sanierung des Platzes planen. Entschieden gleicher Meinung war Joachim von Mirbach (Grüne), der die Sitzungsvorlage der Stadtverwaltung einer wütenden Sprachkritik unterzog.

    Hier gehe es nicht um „Wünsche“ der Schulleitung und Eltern, zürnte der pensionierte Gymnasiallehrer, sondern um Pflichten der Stadt. Denn an dieser Schule könne nicht mehr der im Lehrplan geforderte Schulsportunterricht abgehalten werden. „Wir sind hier in der Pflicht als Schulträger“, betonte von Mirbach. Er legte dem OB nahe, den Vorlagenschreiber des Textes in einen „Formulierungskurs“ zu schicken und forderte wie Breuning eine Planungsrate für den Neubau des Sportplatzes in 2018, damit der Platz 2019 fertiggestellt werden kann.

  • Erst analysieren: Oberbürgermeister Rupert Kubon, aber auch Edgar Schurr (SPD) und Cornelia Kunkis-Becker (Grüne), warnten davor, dass sich der Gemeinderat bei der Sportplatzplanung schon wieder über das Votum des Sportbeirates hinwegsetzt. Vor zwei Jahren hatte ein ähnlicher Vorfall zum Rücktritt des gesamten Vorstandes des Sportverbandes geführt. Edgar Schurr riet dringend dazu, in Augenhöhe mit den Vereinen zuerst eine vollständige Bedarfsanalyse in Villingen zu machen ähnlich jener, die gerade für die Schwenninger Sportplätze erhoben werde. Die Stadt könne nicht jedem Verein und jeder Schule alle Wünsche erfüllen. Es gehe darum, Prioritäten festzulegen. Cornelia Kunkis-Becker unterstrich, dass es Ziel des Sportbeirates sei, die Situation der Sportanlagen qualitativ zu verbessern, bei der Unterhaltung aber zu Einsparungen zu kommen. Um dies mit den Vereinen in einem sauberen Verfahren hinzubekommen, brauche man Zeit.
  • Kompromissvorschlag: Stefan Assfalg, der zuständige Amtsleiter, erklärte, im März und April werde das IKPS-Institut sein Gutachten für die Schwenninger Sportplätze den Gemeinderat vorlegen. Dann wäre der geeignete Zeitpunkt gekommen, anschließend durch die Gemeinderatsgremien die Villinger Sportplätze zu besichtigen und zu entscheiden, ob ein neues Gutachten oder aber ein sofortiger Planungsbeschluss für den Hoptbühlsportplatz sinnvoll sei. Nach weiterem Hin und Her schloss sich der Gemeinderat dem Vorschlag des Oberbürgermeisters an, über die Sanierung des Hoptbühlplatzes im Frühjahr nach einer Besichtigung der Villinger Sportplätze zu entscheiden. Es sei ohnehin völlig unrealistisch, sagte Kubon, dass die mit zahlreichen Bauprojekten belasteten technischen Ämter der Stadt schon vor dem Frühjahr eine Planung für den Sportplatz erstellen könnten.
  • Sozialwohnungen auf Sportplatz? Ebenso soll mit der seit Jahren größtenteils brachliegenden Sportanlage im Goldenbühl verfahren werden: Besichtigung und Entscheidung im Frühjahr. Der Sportbeirat der Stadt und der Inline-Hockeysportclub EHC Villingen-Schwenningen wollen, dass der Platz unbedingt erhalten und erneuert wird. Bürgermeister Detlev Bührer wies aber darauf hin, dass der Platz vom Amt für Stadtentwicklung auch als „perfekter Standort“ für eine Bebauung mit Sozialwohnungen betrachtet. Entsprechende Pläne eines Investors sollen ebenfalls im Frühjahr vorgestellt werden. Möglicherweise, so Bührer, müsse die Fläche zwischen Wohnungsbau und Sportplatz auch aufgeteilt werden.

Quelle: Südkurier 14.12.2017

facebookmail

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *